Informatik der TU Darmstadt vorne im CHE Hochschulranking. Was heisst das?

Die TU Darmstadt freut sich an verschiedenen Stellen, z.B hier auf der Homepage das Fachbereichs Informatik und zuletzt auch auf Facebook, demonstrativ über die gute Platzierung im “CHE Hochschulranking” im Fach Informatik. Man neigt dazu, an dieser Stelle wie gewohnt “Gratulation!” zu denken und die Sache zu den Akten zu legen. Ich habe mir mal die Mühe gemacht das allseits verlinkte PDF runterzuladen und zu lesen. Darin heisst es auf Seite J2:

In diesem Jahr ist erstmals auch das Fach Informatik Bestandteil des Forschungsrankings. Hier können werden zwar derzeit noch keine bibliometrischen Daten ausgewiesen werden, allerdings gibt es Bestrebungen seitens des Fakultätentages Informatik sich im Fach auf eine geeignete Datenbasis für eine bibliometrische Analyse zu verständigen.

Aus dem Deutschen übersetzt heisst das anscheinend: Wir Informatiker publizieren zwar viel, wir sind uns aber selbst nicht so sicher, was das Wert ist. Das nenne ich mal eine erfrischende (und ehrliche) Position. Wirklich interessant wird wird die Studie dann aber schon im nächsten Absatz:

Im Fach Informatik wurden 61 Universitäten in den Vergleich einbezogen. Als Forschungsindikatoren stehen in diesem Fach die verausgabten Drittmittel sowie die Anzahl der Promotionen zur Verfügung.

Beruflich beschäftige ich mich mit Missbrauch bzw. dessen Abwendung der Yahoo!-Dienste. Vielleicht suche ich deshalb unbewusst besonders nach Missbrauchsmöglichkeiten. Trotzdem:

Mir kommt bei dieser Beschreibung sofort in den Sinn, wie man ein solches Mass inflationär in die Höhe treiben könnte: Man stelle so viele Doktoranden ein, wie man bekommen kann (ja, sie sind selten). Damit treibt man, statistisch gesehen, auch die Anzahl der Promotionen in die Höhe. Im nächsten Schritt “vermietet” man diese Doktoranden dann gegen Geld (vulgo: Drittmittel) an Firmen, um auch den zweiten Indikator in die Höhe zu treiben.

Mir ist sehr bewusst, dass die Messung der Forschungsleistung einer Universität oder auch “nur” einer Fakultät eine immense Herausforderung darstellt. Allerdings erscheint es mir hier so, dass die falschen Anreize gesetzt werden, schliesslich hat herausragende Forschung häufig nur wenig mit Quantität zu tun. Folglich stellt sich mir die Frage, warum gerade die TU Darmstadt, die sich ja eigentlich nicht um ihren Ruf sorgen muss, sich mit gerade diesem Ergebnis so brüstet.

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