Warum Liberale immer in der Minderheit bleiben werden:
Einem Liberalen würde vielleicht auffallen, dass “soziale Gerechtigkeit” hier als Synonym für mehr Gleichverteilung verwendet wird und damit seine Kritik an diesem Begriff bestätigt. Aber das ändert nichts an den Erkenntnissen der Forschung. Liberale sind Exoten und werden es immer bleiben.
(Via B.L.O.G. – Bissige Liberale ohne Gnade.)
Ob das so bleiben muss, möchte ich hier mal bestreiten. Wenn die Führung der FDP folgende Punkte aufgreifen würde:
- Liberal sein heisst nicht nur, sich für die Wirtschaft einzusetzen. Das ist nur ein Aspekt, da eine florierende Wirtschaft überhaupt erst den Boden für die Freiheit der Bürger schaffen kann.
- Liberal sein heisst vor allem, sich für die Freiheit des einzelnen Menschen einzusetzen. Es ist so gesehen das eintreten für ein Menschenrecht, nicht ein Recht der Reichen. So gesehen sind die wahren Liberalen die letzten Verfechter eines in der Verfassung geschützten Rechtes in einer ansonsten obrigkeitsverliebten Republik.
- Wenn dem so ist, dann vermisse ich von den aktuellen Vordenkern der FDP eine klare Haltung zu den freiheitsbescheidenden Regelungen von Hartz 4. Wer sein ganzes Leben offen legen muss, weil er in Not ist, ist nicht mehr frei. Da kommt dann zur Armut an Finanzen auch noch die Armut an Freiheit.
- Das selbe gilt für die Art von Studiengebühren, wie sie jetzt in Hessen eingeführt wird. Den Studenten wird Geld genommen, ohne ihnen in hinreichendem Umfang Einfluss auf die Verwendung desselben zu geben. Sie werden also unfreier. (Nur am Rande: Ich lehne Studiengebühren nicht komplett ab, sie müssen nur anders gemacht werden.)
Wo ist die FDP, die für die Freiheit des einzelnen (womöglich sogar armen oder lobylosen) Menschen vor staatlicher Gängelung eintritt? Im Moment sehe ich da auf Bundesebene nur ein “Alles ist schlecht. Wir würden es besser machen, indem wir die Steuern senken”. Nicht, dass ich da missverstanden werde: Steuern zu senken ist ein wichtiges liberales Ziel, da es den Bürgern mehr Freiheit lässt, ihr Geld selbst auszugeben.
Nur ist mir das zu einsilbig.
Comments 4
Die freiheitsbeschneidenden Hartz4-Regeln kritisieren – ok. Aber in wieweit ist es eine Freiheitsbeschränkung, wenn für eine Leistung (Studium) Geld verlangt wird? Heißt Freiheit = Schlaraffenland?
Posted 17 Jul 2006 at 15:15 ¶Ich sehe bei Studiengebühren allgemein genau ein Problem (ansonsten bin ich für Studiengebühren, nur für andere als derzeit in Hessen angedacht): Gesellschaftlich wünschenswerte, aber heute schon unrentable Studiengänge finden keine Studenten mehr.
Was ich mit dem zugegebenermassen sehr verkürzten Kommentar eigentlich anprangern wollte (mache dazu mal einen längeren Beitrag): Im Moment ist es so, dass für ein zu langes Studium Gebühren fällig werden. Das ist ungerecht. Warum soll man sich nicht frei entscheiden können, wie lange man und in welcher Intensität man studiert? Vernünftig gemachte allgemeine Studiengebühren, die auch die Menge an besuchten Vorlesungen berücksichtigen, können hier eine Lösung sein. Aber genau das findet nicht statt. Es soll “500 EUR/Semester” kosten. Unsere Gesellschaft kennt nur einen Typ von tolerablem Studenten: Schnell, zielstrebig, Vollzeitstudent. Ich fühl(t)e mich dieser Gruppe durchaus zugehörig. Allerdings gibt es auch andere Modelle zu studieren. Und die sollten durch das Gebührenkonzept nicht diskriminiert werden.
Mehr dazu gerne hier und demnächst auch in einem ausführlicheren Beitrag.
Posted 17 Jul 2006 at 15:26 ¶“Gesellschaftlich wünschenswerte, aber heute schon unrentable Studiengänge finden keine Studenten mehr.”
Was ist “gesellschaftlich wünschenswert”? Wer entscheidet das? Und sollten die, die das entscheiden, dann nicht die Kosten tragen?
“Im Moment ist es so, dass für ein zu langes Studium Gebühren fällig werden.”
Nun, ich will keineswegs die konkreten Regelungen verteidigen. Bin ich doch Anhänger eines freien Wettbewerbs autonomer Unis um ihre Studenten. Aber vom Grundsatz her würde ich wohl auch die Bezahlung an die Nutzung koppeln.
Aber ich schau dann mal, was du noch dazu schreibst.
Posted 17 Jul 2006 at 16:16 ¶Ich freue mich auf bissige Kommentare
Posted 17 Jul 2006 at 16:27 ¶Post a Comment